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Die Bewerbung PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Administrator   
Mittwoch, 08 Juni 2005

Die Bewerbung

Ein Kulturbeitrag des Händlerreiches "Rashnagar" vom Segment ASGARD. Es geht um die Bewerbung des Zaubereres Ashraf Di Corro um die Aufnahme in die Gilde der Magier und die Ausbildung zum "Propheten".


von Jürgen Böhm


Die Bewerbung


Gruß Euch, Ihr hohen edlen Damen und Herren,

mein Name ist Ashraf Di Corro. Ich wurde 490 n.C. in Rashnager geboren. Meine Eltern entstammten einer zwar angesehenen, aber verarmten Familie. Mir wurde erzählt, daß unser Name weit in die Annalen der Geschichte zurückging, aber in der Gegenwart waren wir eher Händler als Krieger.

Mein Vater war streng, meine Mutter gütig und ich kränklich und schwach. Der Gedanke, daß der Erbe seines Namens und der künftige Wahrer der Ahnentafeln ein Schwächling sein würde, machte meinen Vater rasend, der überaus stolz auf seinen durch die tägliche Arbeit gestählten Körper war. Er zwang mich schon als Kind, alles zu tun, um meine Muskeln und meinen Geist zu stärken, stopfte Unmengen Reis und Fisch in mich hinein, um meine Knochen zum Wachsen zu verleiten, und trieb mich selbst im Winter zum Fluß hinunter, wo ich erst ein Loch in das Eis hacken und dann im schmerzhaft kalten Wasser baden mußte, bis ich blau angelaufen war. Erst dann zog er mich, abwechselnd lachend und fluchend, heraus.
Der Geist meines Vaters ließ lange Zeit nicht von mir ab, selbst dann nicht, als ich bereits ein junger Mann war und mein Elternhaus verlassen hatte. Ich war besessen von dem Gedanken, mich ihm zu beweisen und stärker zu werden als er. Ich wollte der stärkste und mächtigste Magier Rashnagars werden; nein, mehr als das - ich wollte der stärkste Magier der Welt sein.
Aber mein Wille war schon immer stärker als mein Möglichkeiten. Als junger Mann sah ich dies als eine Art Fluch an, als einen kosmischen Witz auf meine Kosten. Erst später, als ich weiser wurde, erkannte ich, woraus die wahre Stärke des Geist des Menschen entspringt.
Ich lernte "Karasch", die sanfte Kunst der Magie, die mir nie so recht sanft erscheinen wollte, und "Gora", die Kunst des Schwertes. Dann kam das Jahr des Krieges.

Ich war noch Mitten in meiner Ausbildung, und überall schlug die patriotische Stimmung hoch. Wir waren bereit, für Valiros und die Ahnen unser Leben zu geben und im Krieg mit dem Chaos den Heldentod in den fernen Landen zu suchen und zu finden. Aber noch bevor ich mich auf dem Schlachtfeld beweisen konnte, hatte ich schon die schwerste Niederlage meines Lebens erlitten. Mein Gesuch um Aufnahme in die glorreiche Zaubergilde des Reiches wurde nämlich abgelehnt. Der Grund? Lächerlich! Mir fehlte eine Einheit! Ich war eine Erfahrungseinheit zu schwach, um aufgenommen zu werden.

Nun, ich war entschlossen, die fehlende Erfahrung zu erlangen. Wie hätte ich je wieder vor den Altar meiner Ahnen treten können, wenn ich wegen eines geringen Mangels abgelehnt worden wäre? Also ging ich in die Berge und meditierte; ich lief mit einem Baumstamm auf den Schultern die Hügel hinauf und wieder hinunter; ich sammelte Steine, die ich mir in kleine Säcke gefüllt um die Fußgelenke band und hängte mich an einen Baum.

Und mein Vorhaben gelang. Ich hatte meinen Geist so sehr gefordert, daß ich der fehlenden Erfahrung gewachsen war. Endlich wurde ich in die Zaubergilde aufgenommen und in die Schlacht geschickt. Dort machte sich niemand mehr über mich lustig, denn ich war eine eindrucksvolle Gestalt und als tollkühner Magier gefürchtet und geachtet.

Aber obwohl ich schnell an magischer Erfahrung gewann, zog ich mich nach dem Krieg auf mein Landgut zurück. Was war geschehen?

Zwar hatte ich mich immer in vorderster Linie befunden, doch ich wurde nie geschlagen. Links und rechts neben mir wurden die Kameraden in die Dimensionen geschleudert, und selbst wenn ich aufsprang und den Tod suchend mit wildem Geschrei auf den Feind zustürmte, geschah mir nichts. Ich konnte nämlich plötzlich unerklärlicherweise vorhersehen, aus welcher Richtung die magischen Feuer geflogen kamen, da ihnen ein weißes Licht vorauseilte. Dem wich ich einfach aus, indem ich meinen Körper wendete und meinen Kopf drehte, und die Feuer verpaßten mich knapp.

Ihr werdet sagen, ein Magier könne viel reden, aber ich schwöre, daß es die reine Wahrheit ist. Ich konnte sogar die Absichten der Feinde erkennen und ihre Gedanken lesen. Je mehr die Hektik des Gefechts zunahm, desto ruhiger wurde ich. Mein Geist war wie der unbewegliche Mittelpunkt eines Kreisels geworden, und meine Feinde wurden zunehmend zu einem Teil von mir selbst. Wie konnten sie mich verletzen, wenn ich es doch war, der auf mich selbst schoß? Wie konnte ich sie töten, da ich es doch war, der auf mich selbst einstach? Ich war froh, als ich wieder zu Hause war.

Aber schon bald hielt es mich nicht mehr . Ich suchte neue Abenteuer und zog mit den Kämpfern nach Süden, in das unwirtliche Treydos. Ich forderte jeden heraus, von dem ich etwas lernen konnte. Ich mußte niemanden mehr töten, aber ich wollte noch immer allen die Überlegenheit meiner Methode und das Ausmaß meiner Kraft beweisen.
Ich könnte jetzt noch so viel erzählen; ich könnte von meiner Begegnung mit "Grazes el Grit" berichten, davon, wie ich ihn herausforderte und von ihm besiegt wurde, woraufhin ich sein Schüler wurde; ich könnte schildern, wie mein Vater starb und zwei meiner Söhne, wie ich daraufhin vom Schmerz verzehrt wurde

Aber ich will jetzt nur das wirklich Wichtige erzählen und den Rest ein andermal.
Als ich eines Tages im Garten spazieren ging, geschah etwas ganz und gar Unglaubliches. Ich spürte plötzlich, wie das ganze Universum in seinen Grundlagen erschüttert wurde und sah, daß direkt vor mir ein goldener Geist dem Boden entwuchs, der mich einhüllte und meinen Körper in strahlendes Gold verwandelte. Gleich darauf wurde mir bewußt, daß mein Geist und mein Körper eins waren und daß sie aus reinem Licht bestanden. Ich verstand mit einem Mal die Sprache der Vögel und der Bäume. Ich wurde erleuchtet.
Endlich verstand ich alles. Es ging überhaupt nicht darum, einen anderen zu besiegen, sondern darum, zu meiner eigenen Vollkommenheit zurückzufinden. Es ging die unbegrenzte Macht des Geistes zu erkennen.
Mich durchfuhr wie ein Blitz die Erkenntnis dessen, was wahre Stärke ausmacht. Vor meinem inneren Auge sah ich, wie ein Vogel mit seinem Schnabel durch die harte Schale stieß, die ihm Heimat und Gefängnis zugleich war; mit meinem inneren Ohr hörte ich, wie ein Samenkorn seine Hülle sprengte; in meinem Astralkörper spürte ich die Erschütterung, als ein junger Trieb durch den harten Boden wuchs. Ich sah eine Ameise, die ein Vielfaches ihres Gewichts auf dem Rücken trug; ich hörte, wie sich ein Schmetterling mühelos in die Lüfte erhob; ich spürte, wie ein lauer Wind sich zu einem gewaltigen Sturm wandelte, wie eine kleine Welle gegen einen Stein schwappte und ihn im Laufe von Jahrtausenden geduldig abtrug. Ich erkannte, daß das Weiche das Harte überkommt; daß der siegt, der nachgibt; daß der stark ist, der verzeiht und versteht.
Ich verstand die wahre Macht und die Kraft, die ihnen aus Demut, Güte und Liebe erwächst. Ich verstand die wahre Natur des Universums, und sie war nicht Kampf, sondern Liebe, nicht Gegeneinander, sondern Miteinander. Ich wollte nichts mehr tun, nichts mehr erreichen, niemandem etwas beweisen oder über andere triumphieren.

Nun so ergebe ich mich und lege mein Leben in die Hände der Gilde, um die hohe Weihe der Prophezeiung zu erlernen und meine Erfüllung zu finden.

Ashraf Di Corro

 
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