spacer
spacer search

Tir an Dhia
Das Fantasy-Briefspiel

Search
spacer
header
Hauptmenü
Home
News-Archiv
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Welten
Ruhmeshalle
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Saga
- - - - - - - - - - - - - - - - -
FAQ
Ressourcen
Links
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Forum
Kontakt
Search
 
Home arrow Saga arrow Grenzgänger

Grenzgänger PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Administrator   
Mittwoch, 08 Juni 2005

Grenzgänger

In diesem Beitrag vom Segment HADAMAR geht es um einen Konflikt zwischen dem Elbenreich "Per´agnor" und dem "Herzogtum Lilienstein". Ein Krieg um ein mächtiges magisches Artefakt bahnt sich an und soll durch eine Botschaft im letzten Moment verhindert werden.

von Werner Achilles und Marc-Hendrick Bremer


Grenzgänger

Die Alte Weise

Majestätisch senkten sich die Pegasi auf den kleinen Hof hinab. Strahlend und mit reich geschmückten Sätteln und Zaumzeug boten sie einen schönen aber zugleich auch erschreckenden Anblick. Prinzessin Joana, die den Trupp anführte inspizierte den Hof und seine Bewohner, die sich dort versammelt hatten. Es waren nicht mehr als fünf. Zunächst der stämmige Bauer, ein altes Schwert an seinem Gürtel. Sein zottiger Bart verlieh dem Ingrimm seiner Augen eine gefährliche Note. Zu seiner Rechten ein Mann, der ihm wie aus dem Gesicht geschnitten schien, wenn auch seine Augen nicht die Intelligenz des Bauern zeigten. Er mochte 25 Lenze jünger sein als der Bauer. Eine schwere Holzfälleraxt in beiden Händen mochte er dumm genug sein, sie auch benutzen zu wollen. Zur linken des Bauern stand ein alter Mann mit einem Dreschflegel, offensichtlich ein alter Knecht. Nun, er würde tun, was man ihm sagte.Hinter den dreien versteckte sich ein durchaus gut aussehende, ja schöne Frau im mittleren Alter, wahrscheinlich die Frau des Bauern. Sie klammerte sich an den Arm eines jungen Mannes. Dieser war trotz seiner Jugend – sein Kinn zeigte gerade den ersten Flaum – schon hoch aufgeschossen und von angenehmer Gestalt. Irgend etwas in seiner Bewegung, als er beruhigend die Hand der Mutter drückte, erinnerte Joana an Torim. Oh, geliebter Torim. Doch dem Jüngling war auch anzusehen, daß er den Reitern auch mit einer gewissen Anspannung, ja Bewunderung entgegenblickte. Woher auch immer, er wußte, daß sich heute sein Schicksal erfüllte.

Vom Rücken ihres weißen Hengstes Detro richtete sie ihr Wort an die kleine Familie: "Im Namen Archillaros, des Herrschers Per´agnors nehme ich diesen Hof und seine Ländereien in Besitz. Niemand, der sich friedlich seiner Herrschaft unterwirft wird Schaden nehmen, doch der Tor, der sich uns entgegenstellt wird des Todes sterben!"

Wutentbrannt machte der Mann mit der Axt einen Schritt auf sie zu, doch der Bauer hielt ihn zurück: "Laß gut sein, Pjetre, mein Sohn. Is´ doch gleich, wem wir die Abgaben bezahlen." Pjetre drehte sich zu seinem Vater um und einen Moment lang sah es so aus, als würde er die Axt gegen ihn erheben. Doch dann schien es als zerbreche etwas in ihm, er ließ die Waffe fallen, sackte sichtlich in sich zusammen und barg sein Gesicht seinen Händen.

Tröstend legte der Bauer einen Arm um seine Schultern. Resigniert schaute er zu Joana auf: "Mein Name ist Poul, Herrin. So ist es wahr, es gibt wieder Krieg auf Hadamar?"

"Ja, Bürger Poul, es ist wahr."

"Und ihr seit gekommen, unser Land in Besitz zu nehmen?"

"Du sollst es behalten, Bürger, solange du deine Abgaben bezahlst."

Der Bauer nickte einmal und wandte sich ab. "So bedient euch, die Vorräte liegen in jener Scheune."

"Nein, Bürger, du hast mich falsch verstanden. Die Steuer ist erst in einem viertel Jahr fällig. Du behältst, was dein ist, doch wären wir dir dankbar, wenn du uns den einen oder anderen Schinken und auch frisches Fleisch verkaufen könntest."

Überrascht blickte der Bauer über die Schulter. "Ja, natürlich."

"Man berichtete mir, daß auf diesem Hof ein junger Barde zu finden sei."

Mit schreckgeweiteten Augen fuhr die Frau zu Joana herum. Mit zittriger Stimme, die ihre Worte lügen strafte erwiderte sie: "Nein, da hat man euch belogen."

Doch Joana entging nicht die Reaktion des Jungen an ihrem Arm. Bei ihren Worte leuchteten seine Augen und ein – schmales und nervöses – Lächeln zeigte sich auf seinen Lippen.

Joana sprach ihn an: "Bist du der Barde?"

So direkt die Aufmerksamkeit der Hauptfrau der Eroberer auf sich zu spüren verunsicherte den Jungen sehr und es schien fast, als würde er sich nicht zu einer Antwort durchringen können. Doch endlich schaffte er es: "Vater und Mutter wollen nicht, daß ich vom Hof gehe, doch mein Onkel lehrte mich mit Laute und Zitter zu spielen, bevor er starb."

"Wie ist dein Name, junger Mann?"

"Worman, gnä´ Frau."

"Nenn mich nicht gnädig, Worman, nicht bevor du nicht weißt, was ich mit dir vorhabe." Ihre Stimme nahm einen feierlichen Ton an: "Ich frage dich Worman, Sohn des Poul, bist du bereit ein elfisch Gesang zu lernen, ihn zu ehren und zu bewahren bis das dein Ende kommt?"

Nur kurz zögerte Worman und blickte ängstlich auf seine Mutter. Doch dann antwortete er überraschend fest: "Ja, das will ich."

"Bist du dir der Konsequenzen bewußt, Worman, Sohn des Poul?"

"Ja!"

"So lerne das Lied und bringe es für mich zum Herrscher des Herzogtums Lilienstein, Herzog Heinrich Aron XIV. Es soll eine Botschaft an ihn sein, denn es ist ein sehr altes Lied, daß bis auf die Schöpfung selbst zurückgeht. Errät er seinen Sinn, so mögen viele Leben gerettet werden und viel Leid könnte verhindert werden."

Sie winkte ihrem eigenen Barden und dieser stieg von seinem Pegasus, schnallte die Laute von dessen Seite und nahm den Jungen mit sich zum Brunnen in der Mitte des Hofes. Leise, aber eindringlich sprach er auf ihn ein. Magie wurde gewirkt, Schwüre wurden geleistet, Vorbereitungen getroffen.

Währenddessen schloß Joana den Handel mit dem Bauern ab und erstand Fleisch und Gemüse, die eine willkommene Bereicherung des Speiseplans geben würden. Die schöne Frau des Bauern aber ließ kein Blick von ihrem jüngsten Sohn, den sie soeben für immer verloren hatte.

Plötzlich erklang die Melodie der alten Weise, leise zunächst und ohne sich aufzudrängen, doch voller Kraft und sie zog alle, die sie hören konnten in ihren Bann. Mit klarer Stimme sang der Barde:

"Thin hung the web like a trap in the cage,

The fox lay asleep in his lair.

Fangs frantic paws told the tale of his sin.

Far off the chase shrieked revenge.

Outcast he trespassed where no wolf may tread,

The last sacred haunt of the dead.

He learnt of a truth which only one wolf may know,

the sceptre and crown of the king.

Howling for blood, One-eye leads on the pack,

Plunging through forests and snow-storm.

Steep rose the ridge, ghostly peaks climbed the sky,

Fang sped through jungles of ice.

Hard on his tail, One-eye drew from the pack

an old hero conquered by none.

Steep, for too steep grew the pathway ahead

Descent was the only escape

A wolf never flees in the face of his foe

Fang knew the price he would pay

One-eye stood before him

With the crown upon his head

Sceptre raised to deal the deadly blow.

Fang, Son of Great Fang, the Traitor we seek,

The laws of the Brethren say this:

That only the King sees the Crown of the Gods

And he, the Usurper must die —

Snarling he tore at the throat of his foe

But Fang fought the hero in vain

Dawn saw the white mountain tinted with red

Never would the crown leave again

One-eye hid the crown and with laurels on his head

Returned amongst the tribe and dwelt in peace."

Der Bote

Mit einem grobem Stoß wurde Worman vor dem Thron zu Boden gestoßen. Vierzehn Tage hatte er von dem kleinen Gehöft seines Vaters bis hierher nach Liliacee gebraucht, vierzehn harte Tage, die er nur durch die Magie der Elfen und die Hilfe der Heralis überlebt hatte. Die Entbehrungen hatten sich bereits tief in sein jugendliches Gesicht gegraben und sein ungepflegtes Äußeres war sicherlich keine besondere Hilfe bei der Aufgabe, die ihm nun bevorstand. Immerhin, er hatte es bis hierher geschafft, bis in den Thronsaal des Herzogs.

Die Wachen blieben knapp hinter ihm wachsam stehen, bereit, ihn bei der geringsten falschen Bewegung niederzumachen. Nun, er hatte nicht vor eine falsche Bewegung zu machen, ja, wenn es nach ihm ginge, würde er sich am liebsten für mindestens einen Tag überhaupt nicht mehr rühren. Doch es ging nicht nach ihm! Die alte Frau hatte Recht behalten, als sie ihm prophezeite: "Du wirst den Königen Rat geben und Herrschern wirst Du Nachricht bringen." Vielleicht, vielleicht nur konnten durch ihn viele Menschenleben, ja auch das ganze Herzogtum gerettet werden.

Mühsam rappelte sich Worman auf seine Knie und blieb so, tief zur Erde gebeugt, bis der Herzog ihn zur Kenntnis nehmen wollte. Tief, befehlsgewohnt und machtvoll klang seine Stimme, als er sprach: "Was hat er uns zu berichten, der Bauernlümmel? Was erdreistet er sich, in diesem Aufzug an meinem Hof zu erscheinen und mich zu sprechen zu verlangen?"

Tief bei sich dachte Worman: Ja, was eigentlich? Was tue ich hier eigentlich? Sollte ich nicht lieber Schafe hüten und Äcker bestellen? Aber er wußte, dies würde er sein Leben lang nicht mehr tun, wenn sich dies auch als kurz herausstellen könnte. Aus dieser Erkenntnis nahm er die Kraft dem Herzog zu antworten. Zittrig war seine Stimme und sie erschien ihm viel zu dünn. "Ich bringe Botschaft von der Grenze und von den Elfen von Per´agnor, mein Herrscher."

"Ah, ein Spion des Feindes! Wachen, schafft ihn fort und verhört ihn." Schon wollte der Herzog sich abwenden. Worman wußte, wenn er nun nicht handelte, dann war sein Leben verwirkt. So begann er zu singen:

Thin hung the web like a trap in the cage,

The fox lay asleep in his lair.

Fangs frantic paws told the tale of his sin.

Far off the chase shrieked revenge.

Das Lied verfehlte seine Wirkung auch hier nicht. Die Wachen, die auf den Befehl des Herzogs hin schon Hand an Worman gelegt hatten, ließen ihn gewähren und der Herzog, der sich schon zum Gehen gewandt hatte, blieb stehen und neigte lauschend seinen Kopf. Schnell, aber nicht hastig griff Worman nach der Laute auf seinem Rücken, darauf vertrauend, daß der elfische Zauber wirkte und sie sich nicht verstimmt hätte. Glockenklar erklangen die Seiten.

Outcast he trespassed where no wolf may tread,

The last sacred haunt of the dead.

He learnt of a truth which only one wolf may know,

the sceptre and crown of the king.

Howling for blood, One-eye leads on the pack,

Plunging through forests and snow-storm.

Niemand würde sich diesem Lied entziehen können, daß wußte Worman, niemand würde es je vergessen, der es einst gehört hatte und niemand würde es singen können, es sei denn er habe sich ihm mit ganzem Herzen verschrieben. Doch alle würden es verstehen, seien sie des Elfischen mächtig oder nicht, denn das Lieb stammte aus der Zeit vor den Sprachen, ja aus einer Zeit vor der Welt.

Steep rose the ridge, ghostly peaks climbed the sky,

Fang sped through jungles of ice.

Hard on his tail, One-eye drew from the pack

an old hero conquered by none.

Aufmerksam lauschte der Herzog dem Lied, und er verstand, was gemeint war, denn sein Körper reagierte auf die Wahrheiten, die es verkündete.

Steep, for too steep grew the pathway ahead

Descent was the only escape

A wolf never flees in the face of his foe

Fang knew the price he would pay

One-eye stood before him

With the crown upon his head

Sceptre raised to deal the deadly blow.

Wie in Erwartung des Schlages krümmte sich Heinrich Aron, die Arme abwehrend über den Kopf erhoben. Doch es traf ihn nicht der Schlag, sondern das Urteil wurde gesprochen:

Fang, Son of Great Fang, the Traitor we seek,

The laws of the Brethren say this:

That only the King sees the Crown of the Gods

And he, the Usurper must die —

Es war ausgesprochen, und nun richtete sich der Herzog mit der Melodie wieder auf, stolz, ja trotzig und bereit, sein Letztes zu geben.

Snarling he tore at the throat of his foe

But Fang fought the hero in vain

Dawn saw the white mountain tinted with red

Never would the crown leave again

One-eye hid the crown and with laurels on his head

Returned amongst the tribe and dwelt in peace.

Der Herzog lag am Boden, zusammengekrümmt, die Hände an die Kehle erhoben. Schwer atmend lag er dort, und nachdem Worman das Lied beendet hatte, war es eine kurze Zeit still im Raum. Dann traten die Wachen in Aktion. Rasselnd fuhren ihre Waffen aus den Scheiden und Worman ließ sich zu Boden fallen in der Hoffnung, so dem tödlichen Streich noch einen Augenblick entgehen zu können.

"Halt, laßt ihn am Leben – vorerst. Mir ist nichts passiert, was ich mir nicht selbst zugefügt hätte."

Mühsam rappelte Herzog Heinrich Aron sich vom Boden auf und trat einige Schritte näher zu Worman heran, wohl darauf bedacht, einen ausreichend großen Abstand zu bewahren, so daß die Wachen immer noch schneller wären als Worman es je sein könnte.

"Ich danke Dir, Barde" sagte er zu dem am Boden liegenden. "Ich las vor einigen Jahren von dieser Weise in einem Buch über die südliche Allianz. Ich habe es nicht verstanden, damals. Nicht wirklich." Fast zu sich selbst fuhr er fort: "Ja, es war die Rede von der Krone, dem Zepter und dem Stein."

"Nun denn, Barde. Laß hören, wie es sich zutrug, daß Du dieses Lied erlerntest."

Noch kurzatmig von dem Schrecken, der ihm durch die Glieder gefahren war, erzählte Worman von der Eroberung des Hofes seines Vaters und wie man ihn das Lied lehrte. "Ich verstehe nichts davon, Herr, aber ich meine, es wäre die Prinzessin Joana selbst gewesen, die diesen Trupp anführte."

"Wieviele waren es, Barde?"

"Ich vermag es nicht zu sagen, Herr. In meinem ganzen Leben habe ich noch nicht so viele Menschen auf einmal gesehen, aber das soll nicht viel heißen. Und alle trugen sie diese Kostüme."

"Kostüme?"

"Ja, sie sahen aus wie Tiger, Adler, Falken ... ja, auch wie Wölfe."

"So, ich verstehe. Und was haben sie gesagt, was sie wollen?"

"Davon sagten sie nichts, Herr. Aber sie sprachen von der Stadt unweit der Grenze und daß sie sie bald erobern würden. Sie meinten: "Der Herzog mag selbst bestimmen, wieviel er in ihr verlieren will." Oh, verzeiht ..."

"Es ist schon gut, Barde. Haben sie sonst noch etwas gesagt?"

"Nicht direkt, Herr, aber es schien mir, als wollten sie auf Euer Angebot warten. Die Prinzessin sagte über das Lied: "Errät er seinen Sinn, so mögen viele Leben gerettet werden und viel Leid könnte verhindert werden." Dann hörte ich noch wie sie zu einem anderen sagte: "Vielleicht haben wir bald für eine Weile einen Waffenstillstand."

"Ach, sie reden wieder von Frieden, die verdammten Langohren! Ist doch alles leeres Geschwätz! Wen glauben sie können sie mit ihren Ränken täuschen?"

Ob des Zorns des Herzogs wieder sichtlich in sich zusammengesunken wagte Worman zu sagen: "Ich glaube nicht, daß sie noch hoffen Euch etwas vormachen zu können, Herr. Man sprach nicht gerade freundlich von Euch, aber durchaus mit Respekt. Zweimal haben sie versucht, Euch hinters Licht zu führen und zweimal habt ihr sie durchschaut. Vielleicht habt ihr diesmal wirklich etwas, das sie sich etwas kosten lassen würden. – Herr!" fügte er hastig hinzu, als er merkte, was er gewagt hatte.

"Möglicherweise, Barde, möglicherweise. Nun denn. Wachen, gebt dem Barden ein Zimmer und etwas zu essen. Aber behandelt ihn gut, mag sein, daß ich noch einmal mit ihm sprechen möchte."

Die Wachen halfen Worman auf und führten ihn - noch immer nicht gerade sanft, doch sehr viel rücksichtsvoller als noch vor einer Stunde - hinaus. Das letzte, was er aus dem Thronsaal sah und hörte war der Herzog, der nachdenklich sein Kinn rieb und versuchte die Melodie der alten Weise noch einmal vor sich hin zu summen. Es gelang ihm nicht, denn keiner kann dieses Lied singen, der ihm nicht sein ganzes Leben verschrieb.

Die Antwort

Knarrend öffnete sich die schwere Turmtür. Wormann stellte den Wein beiseite und schaute mit zugekniffenen Augen in das Licht. "Kommt ..." forderte ihn eine verschlafene Stimme auf. Der Weg führte sie durch den Palast, und schon bald wurde dem Jungen klar, daß ihn sein Weg zurück zum Herzog führen würde. Der Diener schlurfte müde vorweg, Wachen waren nicht zu sehen. Wormann Puls begann zu rasen, und seine Brust spannte sich.

Der Herzog stand am Fenster und schaute versonnen hinaus. Der Diener schloß die Tür hinter sich, und Wormann vermochte kein Wort über seine Lippen zu bringen. Er spürte den Blick des Hohepriesters auf seinem Leib. Der junge hochaufgeschossene Geistliche im nachtblauen Gewandt und dem Anglitz eines Habichts durchdrang mit seinen Augen Wormanns Leib und durchwühlte dessen tiefstes Inneres. Wormann wich verunsichert mit seinem Blick zurück auf den Herzog. Dieser kam besonnen, doch zielstrebig auf ihn zu. Bis auf Armlänge kam er heran, und von oben herab ließ er seinen Blick an Wormann abgleiten, um ihn dann mit seinen grünen Augen zu fixieren. Wormann Beine wurden schwach, er verfluchte sich, daß er vom Wein gekostet hatte.

"Wormann, nun Junge, Du hast deinen Auftrag getreulich erfüllt und wohl daran getan. Sei entschuldigt für unsere barsche Art und das Ungemach, daß wir dir bereiteten. Unser Herz ist schwer ob deiner Botschaft, denn es ist die Botschaft des Krieges und der ewiglichen Verfolgung unseres Volkes. Wir sind entäuscht und erzürnt über die nie zu enden scheinenden Spiele, die man mit uns treibt. Doch Junge, wir wollen dich nicht länger quälen. Nun, da dich die Elfen erkoren haben, zum Boten der Herrscher und Könige, wollen wir die uns gereichte Rose nehmen und zurücksenden. So merke dir denn nun unsere Worte wohl und trage sie des Windes gleich zu denen, die dich sandten.

Nie war es unser Sinnen, den fruchtbar Garten Lilienstein, noch ein anderes lieblich Land mit Krieg zu überziehen.

Nie war es unser Sinnen, fremde Völker zu überfallen und fremde Rassen zu geiseln. Nie war es unser Sinnen das zu nehmen, was uns nicht gehört und nicht zusteht vor der Obacht der Götter.

Nie war es unser Sinnen zu Lügen und zu reden falsches Zeugnis, noch zu hintergehen den aufrechten Geist, der mit aufrechten Gewissen auf uns zuschreitet.

Nie war es unser Sinnen der Heimtücke zu fröhnen, noch dem Verrat zu huldigen, noch Zwitracht zu sehen und das Mißtrauen zu mehren.

Und obwohl der Tatsache, daß all dies uns von Euch entgegengebracht ward, wollen wir nicht abweichen von unserem Weg der Ordnung und der Weisheit, der Tugendsamkeit und des edlen Geistes.

Doch wir wollen nicht weiter mit uns spielen lassen, trotz aller Drohungen.

So merke denn nun, wir verstehen ihre Botschaft nicht und so sie denn etwas von uns begehren, so mögen sie danach fragen - und es wird an uns liegen darüber zu befinden, ob wir gewillt sind es ihnen aus freien Stücken zu geben. So mögen sie ihr Begehr äußern und nicht die blutgen Hunde des Krieges entfesseln. Wir werden den Frieden zu wahren wissen und keine Drohung mag uns daran hindern. So sprechen wir, Heinrich Aron XIV, Herzog von Lilienstein und weise ist unser Wort und erschüttern wird es die Festen derer, die bauen auf Lug, Trug und Niedertracht."

Trotz der festen Stimme spürte Wormann die Innere Erregung des Herrschers, dessen verwunderlich jungen Augen ihn durchdrangen und ihn zu schütteln schienen. Des Herzogs Präsenz erdrückte Wormann fast und auch eine hilfesuchender Blick zum Hohepriester verschaffte keine Linderung. Ein befriedigendes und loderndes Lächeln, ja fast Grinsen, durchflog das Raubvogelgesicht.

Da der Herzog mit seinen Worten geschlossen hatte sackte Wormann innerlich in sich zusammen.

"Nun, Sohn meines Volkes, Erwählter der Elben, begnadeter Barde, verlorener Sohn eines Bauern, geh` und tue getreulich deine Aufgabe, auf daß die Prinzessin von PerÀgnor vernehmen möge unsere Botschaft und unseren Willen zum Frieden.

Wormann verbeugte sich und verließ den Saal so schnell wie nur möglich. Bei jedem Schritt spürte er den Blick der beiden hohen Herren auf sich ruhen, und erst als die Türen hinter ihm geschlossen wurde fand er stolpernd halt. Ihm war, als habe ein klarer Wind sein gesamtes Hirn durchblasen. Seine Beine waren noch immer schwach. Nur langsam fand er zur Ruhe, um sich alsbald auf den Weg zu machen.

Und da er sich ablenken wollte und der Muse huldigen, griff er nach seiner Laute und schlug die Melodie des Elbenliedes an - doch so sehr er sich auch bemühte und über sie nachsann, sie fiel ihm nicht mehr ein - sie war davongeflogen, wie die Graslerche im Frühlingswind. Und Wormann erkannte, daß der Elbenzauber von ihm abgefallen war und vieles erschien ihm nun klar und unausweichlich, unverrückbar. Entschlossen gab er seinem Gaul einen sanften Tritt, und brachte denen, die ihm und seinen Volk den Krieg brachten, die Botschaft des Herzogs.

Der Tod

"Er ist gestorben, Herrin!"

Ihr langes silbernes Haar wehte im Wind hier auf dem Gipfel des Berges, ihr gefiederter Umhang schützte sie vor der Kälte und die Adlermaske stand zu ihren Füßen. Langsam versank die Sonne am Horizont. Es war ein schöner Anblick: hier die Prinzessin von Per´agnor, von vollendetem Wuchs, wie sie sich vor der glutroten Scheibe der Sonne abhob, dort die saftigen Ebenen Liliensteins, die sich sanft der Sonne entgegenstreckten und langsam in immer tiefere Dunkelheit versanken. Ein Laut voller Trauer und Leid entrang sich Joanas Kehle. So hatte er es also gewagt, der Herzog. Auch die letzten Regeln der Diplomatie und der Konventionen hatte er verletzt. Er hatte sich an einem Boten vergangen!

"Worman starb, nachdem er eine letzte Botschaft des Herzogs überbrachte, Herrin. Sie haben ihm das Lied geraubt und nur ihre Magie konnte ihn am Leben erhalten, bis er uns getreulich des Herzogs Worte überbrachte. Dann verstarb er, wie all jene sterben, denen der Inhalt ihres Lebens geraubt wird."

Joana nahm den Bogen Papiers entgegen, auf dem die Botschaft des Herzogs verzeichnet war und gab ihrem Adjutanten mit einem Wink zu verstehen, daß er entlassen sei.

Worman gestorben! Sie hatte den jungen Mann kaum gekannt, doch sie hatte ihn auf seltsame Weise gemocht. Ja, sie hatte eine Art Verwandtschaft mit ihm empfunden, hatte er doch sein Schicksal erkannt und es bereitwillig angenommen. Nun, es hatte ihm nicht viel geholfen. Doch wer mochte es sagen, vielleicht brachte der nächste Zyklus ihm den Lohn für seinen Einsatz in dieser Welt. Jetzt war sicher nicht die Zeit, die zu betrauern, deren Schicksal sich erfüllt hatte.

Sie warf einen Blick auf die Botschaft und Zorn verdunkelte ihr schönes Antlitz. Wer sah in dem, was hier geschah ein Spiel? Wer wagte es mit dem Leben Tausender zu spielen? Ein Spiel? Nein, wir spielen keine Spiele. Was wollen wir mehr als nur das Erbe unserer Väter? Und er, der weise Herzog Heinrich Aron will unsere Botschaft nicht verstanden haben? Nein, so dumm kann kein Mensch, kein intelligentes Wesen auf Hadamar sein. Alle Welt begehrt nur das eine von Lilienstein, so wird er wohl wissen, was der Preis des Friedens wäre.

Gegen alle Vernunft gaben wir noch einmal die Chance, den Frieden wieder herzustellen und die zu schützen denen wir als Herrschende verantwortlich sind. Doch ausgeschlagen wurde - wiederum - die Hand die zum Frieden gereicht wurde.

Doch sei es drum, wenn sie es nicht anders haben wollen, so soll es denn geschehen. Nichts wird uns auf ewig von dem Erbe unserer Väter trennen. Nichts wird uns verwehren können, was unser ist!

Wütend warf Joana die Botschaft des Herzogs fort, nahm ihre Maske auf und gab ihrem Gefolge das Zeichen zum Aufbruch. Bald schon würden die Pegasi wieder fliegen und so die Götter wollten, ihrem Ziel näher kommen. Eines Tages mag der Herzog zur Vernunft kommen und das herausgeben, was ihm nicht gehört.

So bestieg Joana ihren Detro und sie stimmte ein altes Elfenlied voller Ironie an, daß von den Männern und Frauen ihrer Truppe laut und begeistert aufgenommen wurde:

"Tell me my life is about to begin,

Tell me that I am a hero.

Promise me all of your violent dreams.

Light up your body with anger.

Now, in this ugly world,

it is time to destroy all this evil.

Now, when I give the word,

are you ready to fight for your freedom?

NOW

Stand up and fight, for you know we are right.

We must strike at the lies, that have spread like disease

through our minds.

Soon we’ll have power, every soldier will rest,

And we’ll spread our kindness to all who our love now

deserve

…"

Der Kampf um die Entscheidung

Wie auf der Oberfläche eines Sees brach sich das Licht in dem Dach aus saftigen Grün, das die Schar umgab. Einzelne Lichtstrahlen fielen zaghaft zu Boden und in ihrem güldenen Licht tanzten Staub und Insekten einen anmutigen Reigen. Die Pferde stießen an mächtige Farnbüschel, deren Pollen gewaltig aufstoben und Tiere und Reiter mit einem samtigen Belag bedeckten. Lord Garweid führte sein Pferd vorsichtig aus dem Unterholz. Auf seinem Linken Arm saß sein Habicht, ruhig und die Dinge um sich geschehenlassend. Die Lederhaube mit der Federkrone gab ihm Ruhe und von Zeit zu Zeit strich ihm sein Träger mit dem Zeigefinger liebevoll unter dem Schnabel das Gefieder.

Im Gegensatz zu seinem Freud liebte Heinrich Aron die Jagd nicht sonderlich. Jedwedige Anwendung von Waffen und Gewalt waren ihm zuwider, doch daheim im Palast hatte er es nicht mehr ausgehalten. Die Räume waren im zu eng, der Druck lastete auf ihm. Nun waren schon 19 Tage ins Land gestrichen, 19 endlose Tage des Wartens - doch bis jetzt war weder eine Nachricht über den Verbleib des jungen Barden noch eine Antwort der Elben eingetroffen. Der Herzog fragte sich, ob er mit seiner Botschaft überzogen hatte, doch in seinem Innersten wußte er, daß dies nicht der Fall war. Die Zeit drängte nun, und wie das tänzelnde Pferd vor dem reißenden Fluß, stand er vor der Entscheidung - sie und ihre Folgen scheuend.

Die Treiber hatten einen Fasan aufgetan, der mit sirrenden Flügelton und blechernden Gesang gen Himmel strebte. Lord Garweid focierte das Tier und streifte seinem gefiederten Freund gelenk die Haube vom Kopf, worauf dieser unmittelbar seine Krallen aus dem ledernen Handschuh löste und sich mit kräftigen und todbringenden Flügelschlag in den Himmel aufschwang. Kleine Schellen an seinem Bein spielten dem Fasan ein Todeslied - der Habicht schlug von unten in die Brust des Tieres, federn zerstoben, und tödlich getroffen schlug der Vogel mit einem dumpfen Schlag auf den weichen Boden der Waldlichtung.

Der Herzog hatte das Szenario aus einiger Distanz nur halbherzig verfolgt. Das siegreiche Lachen Garweids und die Glückswünsche der Lords waren ihm dabei genauso entgangen wie das Geheul der blutgierigen Hunde. Der Todesschrei des Fasans und sein aufgerissener, nach Därmen riechender Leib ließen ihn jedoch erschaudern. Er riß am Zaumzeug, sodaß sein Roß gelenkt durch das eiserne Gebiß schaumspuckend herumfuhr. Heinrich Aron trieb das Tier an und sein Ziel war der Palast. Er hatte eine Entscheidung getroffen und er wollte sie sofort umsetzen. Die Jagdgesellschaft schaute erstaunt auf, um nervös die Verfolgung aufzunehmen. In der Eile vergaß sie den toten Fasan, der in seinem Blut liegend die ersten Fliegen anlockte.

Mit großen Sprüngen hechtete der Herzog, wider aller Geflogenheiten und Regeln der Kontenonce, die Palasttreppen hinauf. Solange hatten die Lords auf ihn eingeredet, endlich Eisen sprechen zu lassen, nicht länger den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen, nicht weiter den immer dreister werdenen Schlägen Per`Agnors auszuweichen oder sie gar einzustecken. Mit aller Macht wollten sie dem überalterten Geschlecht das schartige Schwert an die Kehle setzen. Der Hohepriester hingegen hatte in seiner Weisheit immer davon abgeraten den Elben weitere Gründe für ihr haltloses Vorgehen zu schenken. Heralis Weisheit lenkte auch den Herzog, doch nach dem Fund der Seelensteine war ihm klar, daß es keinen Frieden geben würde. Alle Elben gierten förmlich danach diese Artefakt in die Hände zu bekommen - jenes von den drei großen Insignien der elbischen Macht. Wieder war es die Machtgier und Zerstrittenheit der Elben, die die Welt zu verschlingen drohte. Doch dem Herzog war eine Idee gekommen, wie er zumindest den Krieg mit Per`Agnor umgehen könne. Außer Atem, aber gestärkt durch seine innere Erregung, diregierte er seinen Stab und gab Anweisungen den Gesandten der Tongushen vorzuladen.

Ihr fragt, wie die Geschichte endete? Schaut in die Welt, schaut in die Herzen der Menschen, Elfen und sonstigen aufrechtgehenden Kreaturen und Ihr werdet erkennen, daß das Schlechte stetig siegt. So flüchtete der Herzog in eine unglückliche Ehe mit der Tochter des Khans aller Tonguschen und beugte vor dessen Krone sein Haupt, um im mächtigen Schatten des Khans Schutz zu finden. Doch die Elfen ließen nicht ab vom Krieg, und so tobt der Krieg noch heute, legte Hauptstädte in Asche und kostete Tausenden das Leben. Das Grab Wormanns ist vergessen und der Hof seiner Eltern verwüstet.

 
< zurück   weiter >
spacer

 
© 2017 Tir an Dhia
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.
spacer