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Das Fantasy-Briefspiel

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Geschrieben von Administrator   
Mittwoch, 08 Juni 2005
Das Gebet

Ein "privates" Bittgebet an die Götter, als begleitende Kultur zu einem Zauberduell. Dieser Kulturbeitrag stammt aus der "Freien Republik Aragan" vom Segment ASGARD.
von Marc-HendrikBremer

Das Gebet

Fernab der Brennpunkte des politischen Geschehens war es Abend geworden in der kleinen Kate Südelbas. Die herbstliche Sonne war schon versunken und man schickte sich an, das letzte Licht zu nutzen, um das kleine Gehöft für die Nacht zu bereiten. Eine junge Frau brachte das Gerät in die Schuppen, versorgte die Tiere und verschloß sorgfältig Gatter und Türen.

»Jonka!«, rief sie, »Zeit ins Bett zu gehen! Jonka!«

Sie wartete noch einen Moment, dann machte sie sich auf den Weg in die Küche, um ihrer Tochter noch eine Stulle zur Nacht zu schmieren.

Sie war gerade fertig geworden damit, als sie die schnellen, stampfenden Schritte des kleinen Mädchens hörte. Schon war sie durch die Tür.

»Da bist du ja! Geh, wasch dir die Hände.«

»Ja, Mama.« Jonka tat wie ihr geheißen, und setzte sich an den Küchentisch, um ihr Brot zu essen.

»Hast du schön gespielt, Kleine?«

»Nein!«

Die Mutter seufzte und trat von hinten an den Stuhl ihrer Tochter um ihr sacht die Haare zu kraulen. »Ach, Jonka.«

Jonka sagte nichts mehr, sondern konzentrierte sich schweigend auf ihr Abendessen. Schnell war es beendet. Noch ein Schluck Wasser und Jonka machte sich auf den Weg zu ihrer Stube unter dem Dach. Gewissenhaft, aber schnell, zog sie ihr Kleidchen aus und schlüpfte in ihr Nachtgewandt. Sie wußte, sie hatte nicht viel Zeit bevor die Mutter kam, ihr Gute Nacht zu sagen.

Bedächtig kniete sie sich vor ihr Bettchen, die Unterarme auf die Strohmatratze gestützt, die Hände gefaltet. So begann sie ihr Gebet:

»Liebe Götter,« sagte sie leise – sie hatte schon oft Schelte von ihrer Mutter bekommen, weil sie so respektlos mit den Göttern redete, aber Jonka wußte, sie würden sie schon verstehen – oft genug hatten sie ihr auf die eine oder andere Art geantwortet.

»Liebe Götter, wißt ihr, es gibt da etwas, um was ich euch bitten möchte. Das Problem ist nämlich ... hmhähm«, Jonka seufzte öfter so tief, wenn sie um die ernsten Worte rang, die sie an die Götter richten wollte, »das Problem ist nämlich ... ihr kennt doch die Tante Luissa. Und Tante Luissa, die ist sehr traurig, hmhähm, weil doch ihr lieber Mann vor ein paar Tagen dieses Zauberereiduell hatte. Und jetzt ist er nicht mehr da, wißt ihr? Zauberereiduelle sind nämlich seeehr gefährlich, Götter. Man kann davon Stellen bekommen, richtige wunde Stellen. Und dann ist man ganz alleine und keiner ist da, um einen zu untersuchen und die Stellen zu versorgen. Und Bauchschmerzen hat man auch ... gaaanz dolle Bauchschmerzen. Deshalb – könnt ihr nicht mal nach dem Mann von der Luissa kucken gehen? Vielleicht habt ihr ja auch was von der guten Salbe für ihn, sonst könnt ihr ruhig meine benutzten, ich stelle sie euch gleich noch raus. Luissas Mann ist der Lamina Mana, das wißt ihr ja, und der ist eigentlich ganz nett. Ein richtiger Zauberer. Nur, daß er immer soviel unterwegs ist, sagt Luissa und überhaupt, jetzt ist er ja weg. Und dann ... hmhähm ... wißt ihr, liebe Götter, dann ist das Problem, daß es ja bestimmt noch mehr Zauberereiduelle gibt, weil ja jetzt Krieg ist. Mama sagt, Krieg ist, wenn man sich mit anderen prügelt und sich gegenseitig tot haut und wenn eben auch Zauberereiduelle sind. Und wißt ihr ... hmhähm ... ich will das eigentlich nicht, daß noch mehr Zauberer diese Stellen kriegen und dann einfach weg sind. Weil dann sind noch mehr Frauen und Männer so traurig wie Luissa und ganz allein. Jedenfalls nicht die von den Guten, liebe Götter, die von denen, die das Licht in die Welt bringen und die Ordnung. Weil so ist es ja richtig. Ja ... also ... da hätte ich also diese Bitte, ob ihr vielleicht auf die Zauberer von uns aufpassen könntet, daß sie keine Stellen kriegen. Weil es ist doch richtig, was sie machen, daß sie das Licht in die Welt bringen und so, und daß sie gegen die Bösen kämpfen. Und ich will auch immer artig sein und wenn ihr wollt ... wenn ihr wollt, dann könnt ihr meine Lieblingspuppe Karla dafür bekommen. Ich hab' die lieb, die Karla, aber man muß eben auch was hergeben, wenn man von euch was bekommen will, oder? So wie die das immer im Tempel machen. Also, wenn ihr wollt, dann könnt ihr die Karla haben. Ich lege sie gleich noch zu der Salbe, dann wißt ihr, wo ihr sie findet. Bitte, bitte, liebe Götter! Amen!«

Und mit einem hastigen Blick zur Tür, um zu sehen, ob die Mutter schon käme, stand Jonka auf, holte die Salbe aus der Tasche, die sie von Luissa bekommen hatte und stellte sie zwischen die Wand und ihren Nachttisch, wo die Mutter sie nicht sehen würde. Dann holte sie Karla, eine wunderschöne Puppe mit feinen Kleidern. Sie schaute ihr noch einmal tief in die Knopfaugen, drückte sie noch einmal an ihr Herz und legt sie zu der Salbe in den Spalt. Eine einzige Träne fiel auf das Gesicht der Puppe, als Jonka sie hinlegte.

Dann waren die Schritte der Mutter auf der Stiege zu hören und Jonka beeilte sich, ins Bett zu kommen. Mutter kam herein und lächelte ihr freundliches, trauriges Lächeln, daß sie in diesen Tagen immer wieder zeigte, wenn sie ihre kleine Tochter betrachtete.

»Gute Nacht, Jonka. Es wird alles gut. Träum etwas Schönes«, sagte Mutter zu ihr und gab ihr einen sanften Kuß auf die Stirn.

»Ja, Mama, alles wird gut. Gute Nacht!«

 
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